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9. Meditationsnacht 2013

Eine Nacht im Alpstein, 6./7. September 2013

Eine Nacht im Alpstein 6./7. September 2013

Natur und Stille auf der Chammhalde. Je nach Umgebung ist die Meditation anders. Die wunderbare Umgebung auf der Alp an der Chammhalde könnte nicht geeigneter sein für eine Meditationsnacht. Es ist die neunte seit 2005.

Weil das Forum Sosos dieses Jahr aufgelöst wird, ist es auch die letzte Mediationsnacht im Alpstein, die ich mit Elisabeth Tröndle, der Programmleiterin von Sosos, durchführe. Angefangen hat es 2005 mit Andreas Fischer, ihrem Vorgänger. Mit ihm zusammen konnte ich meinen Traum verwirklichen. Mein Anliegen ist die Meditation in der Abgeschiedenheit der Natur. Um es gleich vorwegzunehmen: ich werde diese Nacht im Alpstein weiterführen.

Die Gruppe wird jedes Jahr grösser, stösst nun mit 20 Teilnehmern und Teilnehmerinnen ans Limit. Mit dabei war auch Tara, die greise Hündin. Sie ist die Ruhe selbst, wenn sie nicht gerade schnarcht. Das Thema war: „Sitzen, wie der Berg.“ Dafür habe ich eine Geschichte von S. Tamaro und einen Text von J-Y. Leloup zu einer dritten verwoben:

Ein Hund hat wie der Mensch zu viele Sorgen, zu viele Bedürfnisse. Er läuft ständig hin und her. Ob er ruhig und glücklich sein kann, hängt nie von ihm alleine ab. Er ist ein Rudelwesen. Der Mensch aber ist noch nicht Mensch geworden, wenn er nur Rudelwesen bleibt. Wahrhaft menschlich wird ein Mensch, wenn er lernt zu atmen wie der Berg, tief und ruhig.
Der Berg ist einfach Berg. Seit Jahrtausenden steht er da. Einst war er ein Meeresgrund voller Muscheln und Schnecken. Dann kam er unter grossen Druck. Die afrikanische Kontinentalplatte drückte gegen die eurasische Platte. Die Erde liess den Druck wirken, sie gab nach, sie liess sich formen und falten. So entstand der Berg. Versteinert und kristallisiert wurden die Muscheln emporgehoben zum Himmel. Doch auch der Berg ist dem Zahn der Zeit unterworfen, über Äonen und Ewigkeiten hinweg. So steht er da und atmet und lässt sich wandeln.
Er wartet auf den Regen, er wartet auf den Schnee. Er lässt sich umtosen vom Sturmwind, von einer Jahreszeit zur Nächsten. Der Berg hat keine Absichten. Er hält an nichts fest. Er ist einfach Berg und atmet sein Leben.
Verstehst du nun, warum es schön ist, mit dem Berg zu sitzen und in seinen Atem sich einzuschwingen? Meditiere wie der Berg und auch dir wachsen Wurzeln. Du entdeckst die innere Verbindung mit den tiefsten Gründen. Wie ein Berg sitzen heisst, schwer werden, schwer vor Da-sein, und entspannt.
Die Unruhe lässt er fliegen wie die Vögel am Himmel und wie die Wolken. Im Nichts-tun wirst du Mensch das Sein entdecken, die schlichte Tatsache, einfach zu sein, vor jedem Gedanken, vor jeder Freude, vor jedem Schmerz.
Lass dir den Berg unter die Haut gehen. Lass die Zeit kommen und gehen wie er es tut. Der Berg wird auch deine Gedanken verändern. Er wird dich von manchem heilen, was dich umtreibt. Du findest Verwurzelung und die innerste Festigkeit des Berges.
Und wenn der Berg abends die Sonne spiegelt in warmen Rottönen, wenn er nach Sonnenuntergang unversehens grün wird, türkis mit grau, bevor er in die Ruhe der Nacht eintaucht, dann wisse, der Berg atmet auch in dir.

Ich genoss besonders die Ruhe in dieser angenehmen Nacht voller Sterne. Ob ich an der Felswand lehnte, ganz oben am Chamm oder hinter der Steinmauer im Gras lag: immer wieder lauschte ich dem leisen Lüftchen, das durchs Gras strich und es sachte bewegte. Es erinnert mich an die „Stimme verschweben-den Schweigens“ in der Geschichte von Elia am Horeb. Die Ruhe hat mich aufgenommen. Ich dachte an nichts Alltägliches mehr. Ganz bei sich ankommen, das war es. Überhaupt nicht spektakulär. Dafür umso berührender. Nachher, wieder bei der Alphütte, der obersten am Chamm, hatte ich den Eindruck, wieder in der Zivilisation angekommen zu sein. So relativ sind unsere Wahrnehmungen. Die Morgensonne malt die schönsten Pastelltöne in den Himmel.

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