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8. Meditationsnacht 2012

Eine Nacht im Alpstein, 7./8. September 2012

Warum geht man für eine ganze Nacht auf die Chammhalde? Was bringt überhaupt das Meditieren? Solche Fragen kann man nicht pauschal beantworten. Eine Antwort muss persönlich sein. Über Grundlagen liesse sich einiges sagen. Aber erst im persönlich Kontext werden die Aussagen konkret und entfalten ihren Sinn.

Es ist die achte Meditationsnacht im Alpstein, die ich zusammen mit Elisabeth Tröndle durchführe. Die obere Chammhalde ist in der Tat ein idealer Ort. Für eine grössere Gruppe, wir waren dieses Mal 22 Personen, ist bei aller Einfachheit genügend Platz vorhanden, sodass diese Nacht auch bei schlechtesten Wetter durchgeführt werden kann. Zudem kann man das ganze Material mit einem Auto vor die Hütte fahren. Und nicht zuletzt ist der Chamm etwa vierzig Minuten von der Schwägalp entfernt. Dadurch kommen die Teilnemerinnen und Teilnehmer am andern Morgen bald nach Hause.

Der Säntis empfängt uns im schönsten Abendleuchten. Keine Wolke am Himmel. Wir richten unsere Meditationsplätze ein, inspizieren vielleicht noch ein Nachtlager in der Hütte. Und schon tauchen wir ein in die wunderbare Stille hier oben. Wir wenden die Aufmerksamkeit nach Innen. Wir erkennen Gedanken und Gefühle, gehen aber nicht mit, sondern verweilen im Herzen. Wie bin ich jetzt da? Wir verbinden uns von der Herzmitte aus auch mit dem Raum um uns herum. Wir verbinden uns mit dem Berg, meditieren so kraftvoll ruhig wie der Berg. Wir meditieren gelassen, elastisch wie ein Grashalm in der Windstille. Wir meditieren wie die vielen kleinen Blümchen, Augentrost. Sie verströmen ihre Schönheit bei Tag und Nacht und fragen sich nie, ob man sie auch wahrnimmt. So ganz bei sich anzukommen ist eine der tiefsten und schönsten Möglichkeiten des Menschseins. Ich denke, es ist nicht gewagt, zu sagen, dass dies dasselbe ist, wie „in Christus sein“.

Vor Mitternacht gehe ich zur Wand hoch und sitze da mit dem Rücken zum Fels. Vor mir der weite klare Sternenhimmel. Die Milchstrasse führt einen in die unendlichen Räume des dunklen Alls. Dunkel und tief. Diese stille Dunkelheit öffnet mein Inneres. Sie vermittelt eine selige Geborgenheit. Zwischen Gras und Eisenhut lausche ich in die Nacht hinein.

Zunächst wandern meine Augen von einem bekannten Punkt zum nächsten. Ich bin noch nicht recht bei mir angekommen. Dann sammle ich mich im Herzen, und lasse den Blick auf dem Horizont ruhen, ohne hinzuschauen. Man nennt diese Art, die Augen offenzuhalten den Globalblick. Auf diese Weise bin ich wach und doch ganz bei mir.

Überm Rheintal geht der Halbmond auf. Ich frage mich zuerst, was das für ein riesiges Feuer sein könnte. Der Mond leuchtet intensiv, orange-rot, später ein intensives warmes Gelb. Er taucht die abgeweideten Bergwiesen und die Felswände in sein milchiges Licht. Eine Taschenlampe braucht man nicht mehr.

Nach der gemeinsamen Mitternachtsmeditation im Stall, gehe ich wieder den Chamm hoch, ins obere Drittel. Da habe ich meinen Rucksack deponiert. Ich liege im Schlafsack, ein laues Lüftchen im Gesicht. Zwei Sternschnuppen sehe ich noch, dann fallen mir die Augen zu.
Um vier Uhr ist es besonders still. Der Sternenhimmel hat sich gedreht. Überm Säntis taucht der Oberkörper des Orion auf. Die Bergstille unterstütz ohne jede Störung, das Hineinhören ins eigene Innere. Auch da ist es still. Die Ruhe hinter dem Wirbel der Gedanken zu ahnen, erfüllt mich mit Wärme. Der erste Eindruck, diese Nacht sei nicht die Spektakulärste gewesen, trügt vielleicht. Wenn ich so denke, bin ich noch zu sehr gefangen im Strom der Gedanken. Momentweise bin ich nur noch still mit der Umgebung. Einfach da zu sein und so zu beten öffnet die Tür zur Rückseite des Herzens.

Um 5.30 beenden wir diese Nacht mit einer Abendmahlfeier. Vor langer Zeit hat sich Gott in einem Stall mit der Erde verbunden. In Gott ist alles EINS. Diese Gemeinschaft, lateinisch Communio, feiern wir. Nach einem einfachen Zmorge heisst es schon wieder aufbrechen. Es wir ein strahlend schöner Tag.

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