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7. Meditationsnacht 2011

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Die siebte Nacht im Alpstein
2.-3. September 2011

Schon der Abend ist vielversprechend. Einige Föhnwolken in den schönsten Rottönen und geschwungenen Formen versprechen eine schöne Nacht. Wolkenlos ist es und beinahe windstill. Mit 18 Personen ist die Gruppe am obersten Limit. Im Stall auf den Meditationsmatten nimmt einen die Bergstille sofort auf. Eine Wohltat.

Eindrücklich, zu Beginn von allen zu hören, was sie hergeführt hat und was Einzelne mit sich tragen. Im fast dunklen Stall sind die Gesichter kaum erkennbar. So sieht man umso mehr in der Stimme, was man sonst leicht übergeht.
Thema ist die Schatzsuche, ausgehend vom Gleichnis von Jesus über den Schatz im Acker. Der Schatz ist die Gegenwart Gottes, das Berührtsein, das Gewahrwerden, dass der Schatz schon immer inwendig in mir ist. Er wartet, dass ich dafür erwache, wahrnehme, was ist. Wir beginnen mit einer Imagination zur Schatzsuche.

Ohne viel Erwartungen gehe ich einfach mal zur Säntiswand hoch und setze mich direkt am senkrechten Fels unter einen leichten Überhang, um vor Steinschlag sicher zu sein. Die Sterne funkeln, die Milchstrasse dreht sich wie eine Kompasnadel durch die Nacht. Ich meditiere, den Blick geradeaus auf den Himmel gerichtet. Allmählich löst sich die Spannung eines sehr intensiven Tages. Der Atem löst sich und geht wieder ganz tief. Einfach nur da sein, schauen, schweigen, gesammelt im Herzen.

Da geschieht gar nichts Besonderes. Vielleicht ist das Besondere im Naheliegendsten da: Das Gras wird im Verlaufe der Nacht nass. Sternschnuppen ziehen ihre Spur energisch über den Himmel. Zudem ist es überhaupt nicht kalt. Es tut gut, in dieser wunderbaren Bergstille das Herz zu öffnen, an liebe Menschen zu denken, aber auch an Menschen, die jetzt verzweifelt traurig sind. Ich schicke jedem einen Stern. Jeder Stern in der Nacht ist Licht vom Licht. Davon leben wir.

Um Mitternacht im Stall einige Gedanken zur Schatzsuche. Welche Impulse leiten mich? Was führt mich? Dann gemeinsames Sitzen. Schliesslich gehen alle wieder allein an einen Ort im Freien oder suchen einige Stunden Schlaf in der Hütte.

Ich liege oben am Chamm im Gras. Über mir die Sterne. Nichts denken. Einfach da sein. Die Weite des Himmels spüre ich auch in mir. Ich träume von einer Nacht im Freien, bin beunruhigt, weil ich die Wolldecke vergessen habe. Im Erwachen geniesse ich die wohlige Wärme in meiner Wolldecke. Mit den Augen suche ich die Sternbilder zusammen. Sie haben sich alle verschoben. Ich schmunzle über meine Unruhe im Traum.

Die ganze Nacht höre ich, wie sanfte Wellen in mir, die Musik von Núria Rial mit der Balázs Elemér Group. Die Schönheit ihrer Stimme weitet die Nacht ins Uferlose, gehalten von der Mitte des Herzens. Dann sind da auch die Schleier der Verzweiflung, zerreissenden Schmerzes und aufrüttelnder Betroffenheit, die ich am vergangenen Tag begleitet habe. Alles will liebevoll angeschaut werden. So glättet sich die Oberfläche des aufgewühlten Sees der Gefühle allmählich. Um zur Ruhe zu kommen braucht die Seele diesen liebevollen ruhigen Blick, der wach ist und nichts verdrängt. Genau so wach und präsent empfinde ich den mächtigen Berg in meinem Rücken. Alles hat seinen Platz. Und da ist auch der weite Raum des Himmels und die Sterne.

Vielleicht ist der Schatz des Himmels der, dass ich entdecke, wie der Schöpfer auch mich als einen Stern gemeint hat, der sein Licht leuchten lässt mit all den anderen. Der Schatz ist immer schon da. Um ihn entdecken zu können brauche ich mich nur leer zu machen, zu lösen von allen fixierten Vorstellungen, an die sich mein Kopf klammern möchte. Alles verkaufen, loslassen, um den grossen Schatz von Gottes Nähe zu gewinnen. Dafür ist eine wache, stille Nacht am Berg wirklich hilfreich.

Wie gesagt: äusserlich geschah nichts Spektakuläres. Ich war einfach am Berg. Ich spürte die Nachwehen des Tages. Der Schatz ist wohl nicht so billig mit Händen zu greifen. Aber mit den Herzensaugen lerne ich merken, dass er da ist. Der Rest ist die Offenheit von Liebe und Dankbarkeit.

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