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10. Meditationsnacht 2014

Eine Nacht im Alpstein, 5./6. September 2014

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Eine Nacht im Alpstein 5./6. September 2014

Es war die zehnte Meditationsnacht am Säntis. Schon die Wüstenväter wussten um die unter-stützende Kraft der Natur, wenn sie in der Einsamkeit am Rand der Wüste das Herzensgebet übten.

Diese zehnte Nacht habe ich allein organisiert. Das Forum Sosos ist Geschichte, leider. Die Gruppe kleiner als letztes Jahr, aber es sind doch auch neue Teilnehmer dabei. Das Wetter hat dem ganzen Sommer alle Ehre gegeben. Am Morgen regnete es noch in Strömen. Nachmittags klarte es auf. Die Sonne schien sogar wieder einmal und man wagte zu hoffen, dass die Nacht wider Erwarten trocken werden dürfte. Jedoch auf der Fahrt zur Schwägalp wurden wir von einem heftigen Platzregen überrascht. Dann aber blieb es trocken. Nachts zeigten sich die Sterne. Der zunehmende Mond, zwischen halb und voll, tauchte den Säntis in sein einzigartiges Licht, bevor er wieder hinter Wolken verschwand.

Wir begannen die Nacht gemeinsam im Stall, der zum Meditationsraum eingerichtet war, erhellt von drei Petrollaternen. Das Ankommen und Herunterfahren in der Stille war eine beglückende Wohltat. Thema dieser Nacht war das „sitzen wie ein Berg“. Dazu hat Silvia Ostertag einen schönen Text geschrieben, in dem es heisst: „Sitzen wie ein Berg, der vollkommen still in sich selber ruht, in seiner Verbundenheit mit Erde und Himmel, mit Natur und Geschöpfen, mit allem, was ist. Am besten ist, man sitzt da wie ein Berg, der einfach da ist.“
Der zweite Text ist von Jean-Yves Leloup, „Das Herzensgebet nach Starez Séraphim vom Berge Athos“.

Vor dem Mitternachtstreffen im Stall war ich ganz oben, wo der Chamm in die Wand übergeht und der alte Säntisweg beginnt. Unter einem Felsvorsprung war es trocken. Da konnte ich an die Wand lehnen, sicher vor Steinschlag. Ich weiss ja gut, dass die Stille in der Natur schön ist. Und doch ist der Eindruck jedesmal wie neu, stark und beglückend. Einfach sein, nichts wollen oder müssen, verbunden mit allem was ist dem Allesumfassenden zugewandt.
Direkt unterm Himmel zu liegen gehört zum Schönsten, egal ob es Sterne hat oder bewölkt ist. Die Säntiswand wirkt ganz anders, wenn man sie liegend betrachtet. Die nächtlichen Schattierungen wirken gar nicht etwa unheimlich, sondern sie strahlen eine unerhörte Ruhe aus, die Geborgenheit vermittelt und Vertrauen. Ich bin gar nicht so einsam und ausgesetzt am Berg. Eher fühle ich mich mit seiner Ruhe verbunden.

In der zweiten Nachthälfte wurde es recht kühl. Ich war zu schläfrig, um den Schlafsack auszupacken. Silvia Ostertag schreibt sehr treffen, wie schwierig es manchmal sein kann, einfach da zu sein, was wir im strengen Alltag oft als lasterhaften Müssiggang empfinden. Die Stille ist eine Tür zur Tiefe. „Sitzen in der Stille meint: einfach da sitzen in der Stille und atmend sich sein lassen. Das Schwierige an diesem Sitzen in der Stille ist, dass es so einfach ist.“ Es braucht nicht noch mehr. Sich von diesem Sitzen ganz und gar erfüllen zu lassen genügt vollkommen.

Mit einem Abendmahl haben wir die Nacht abgeschlossen. Die Wandlung geschieht nach reformierter Auffassung im Herzen jedes Menschen. Aber eigentlich weiss das jeder Mystiker, egal zu welcher Konfession er gehört. Nach dem Segen verliess Francois den Stall. Durch die offene Tür dämmerte der Tag herein. Francois spielte auf seinem Alphorn erst ruhige Klänge, dann schöne Tonfolgen. Erstaunlich, was Alphornklänge an Gefühlen auslösen können: Freude, Ruhe, Gelassenheit und Weite. Ein Genuss!

Nach dem Zmorge in der Alphütte, räumten wir gemeinsam auf. Die innere Stille nehmen wir mit, damit diese wunderbare Nacht am Berg im mitmenschlichen Alltag fruchtbar werden kann

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